Allgemeines

Lehrender
Niklas Angebauer

Veranstaltung
Praktische Philosophie & Gesellschaft

Modul
phi220, phi321, phi340, phi520, pb080/81- Praktische Philosophie & Gesellschaft, phi 540 – Akzentuierung, gen220, gen222 – Geschlecht & Moderne

Studiengang
Gender Studies (Bachelor), Philosophie (Bachelor, Master, Master of Education), Werte und Normen (Bachelor, Master of Education)

Fakultät
Fakultät IV – Human- und Gesellschafts­wissenschaften

Institut
Institut für Philosophie

Semester
SoSe 2025

Turnus
wöchentlich

Anzahl Studierende
35

KP des Moduls
6, 9, 12, 15

Prüfungsform
Blogbeitrag

Kategorien
Blog
Digitale Medien
Forschendes Lernen
Interdisziplinär
Lehrkräftebildung
Seminar
Sozialwissenschaften
Sportwissenschaften
Theologie, Geschichte und Philosophie

In den Geisteswissenschaften sind inzwischen rund 43 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt; in der Philosophie lag der Anteil zuletzt bei gerade 28 Prozent. Diese Schieflage spiegelt sich auch im Studium wider – gelesen werden die „großen Philosophen“, von den „großen Philosophinnen“ ist seltener die Rede. Das gilt besonders für Seminare zur zeitgenössischen Politischen Philosophie.

Das Seminar Politische Philosophinnen der Gegenwart setzt hier bewusst einen anderen Akzent: Es nähert sich zentralen Fragen der aktuellen Politischen Philosophie aus einer Perspektive, die Philosophinnen in den Mittelpunkt stellt. Dabei verbindet es inhaltliche Einführung, eigenständige Forschungsarbeit und einen realen Veröffentlichungsprozess. Die erarbeiteten Blogbeiträge erscheinen am Semesterende öffentlich unter wp.uni-oldenburg.de/politische-philosophinnen.

Das Seminar führt ein laufendes, forschungsbasiertes Kooperationsprojekt weiter, in das bereits Ergebnisse aus zwei Lehrveranstaltungen eingeflossen sind. Ziel war es, den Blog kontinuierlich um neue Perspektiven zu erweitern – darunter auch eine selbstkritische Auseinandersetzung mit binären und nicht-binären Konzeptionen von Geschlechtlichkeit.

Inhalte und Lernziele

Das Seminar verfolgt drei miteinander verzahnte Ziele:

Inhaltliche Einführung: Im Mittelpunkt stehen klassische Fragen der Politischen Philosophie – Gerechtigkeit, Demokratie, Macht – erschlossen anhand von Texten zeitgenössischer Philosophinnen.

Forschungsbasiertes Lernen: Studierende durchlaufen exemplarisch einen wissenschaftlichen Publikationsprozess: von der eigenständigen Lektüre und Textanalyse über das Verfassen eines Blogbeitrags bis hin zur Teilnahme an einem Peer-Review-Verfahren als Autor:in und Gutachter:in.

Performative Dimension: Das Seminar soll aktiv zur Sichtbarkeit von Philosophinnen beitragen. Es richtet sich zudem besonders an Studentinnen, die in Seminaren zur Politischen Philosophie mitunter unterrepräsentiert oder besonders zurückhaltend sind.

Aktivitäten der Studierenden bzw. Methodenauswahl

Das Seminar gliedert sich in drei Phasen:

Phase I – Gemeinsame Lektüre (Wochen 1–7): Texte von Philosophinnen zu zentralen Themen der Politischen Philosophie werden seminaristisch erarbeitet. Begleitende Fragezettel strukturieren die Auseinandersetzung und können je nach Modul als Teilleistung angerechnet werden.

Phase II – Eigenständige Recherche und Blogbeiträge (Wochen 812): Jede:r Studierende wählt ein Werk einer Autorin aus und verfasst – allein oder zu zweit – einen ersten Entwurf für einen Blogbeitrag. Regelmäßige Einzelgespräche mit dem Lehrenden begleiten den Schreibprozess.

Phase III – Anonymes Review und Veröffentlichung (Ab Woche 13): In der letzten Vorlesungswoche werden die Beiträge in einem Blind-Review-Verfahren von je zwei Kommiliton:innen kommentiert. Nach der Überarbeitung werden die finalen Texte öffentlich auf dem Seminarblog veröffentlicht.

Die Aussicht auf echte Publikation erzeugt dabei eine besondere Motivation und verändert die Haltung zum eigenen Schreiben spürbar.

Prüfung und Bewertung

Die Prüfungsleistung besteht aus dem Blogbeitrag, der nach dem Review-Verfahren in überarbeiteter Form eingereicht wird. Bewertet werden inhaltliche Tiefe und Genauigkeit in der Darstellung der zentralen Thesen, die argumentative Klarheit und sprachliche Qualität sowie die konstruktive Beteiligung am Peer-Review-Prozess als Gutachter:in. Sofern das Modul es vorsieht, können die Fragezettel aus Phase I als zusätzliche Teilleistung einfließen.

Erfahrungen

Das Seminar wurde bislang zweimal durchgeführt (Oldenburg SoSe 2020, Bremen WiSe 2023) und hat sich in seiner Grundstruktur bewährt. Die Verbindung von inhaltlicher Einführung, eigenem Schreiben und realem Publikationsprozess erzeugt ein ungewöhnlich hohes Engagement – Studierende nehmen die Aufgabe erkennbar ernster, wenn sie wissen, dass ihr Text öffentlich wird.

Besonders wertvoll hat sich die Einzelbetreuung in Phase II erwiesen: Gespräche über den Forschungsfortschritt helfen, Unsicherheiten im Umgang mit akademischen Texten früh zu adressieren. Das Blind-Review-Verfahren schult zudem Urteilsvermögen und Formulierungskompetenz auf eine Weise, die reine Lektüreseminare selten ermöglichen. Der zeitliche Mehraufwand, den die intensive Betreuung in Phase II und III mit sich bringt, lässt sich durch administrative Unterstützung einer Hilfskraft teilweise kompensieren.

Für andere Lehrende empfiehlt sich, die Werkauswahl in Phase II bewusst offen zu halten – die eigenständige Entscheidung für ein Werk stärkt die Identifikation mit dem Thema. Außerdem lohnt es sich, das Blog als fortlaufendes Projekt zu begreifen: Der Verweis auf bereits veröffentlichte Beiträge aus früheren Semestern motiviert und schärft das Qualitätsbewusstsein.