Allgemeines
Lehrende
Dr. Silke Bakenhus

Veranstaltung
Ausgewählte Methoden im Sachunterricht (I-IV)
Modul
isb042 – Methoden und Medien im Sachunterricht
Studiengang
Interdisziplinäre Sachbildung (Zwei-Fächer-Bachelor)
Fakultät
Fakultät I – Bildungs- und Sozialwissenschaften
Institut
Institut für Pädagogik, Didaktik des Sachunterrichts
Semester
SoSe 2025
Turnus
wöchentlich
Anzahl Studierende
76 (Vier Seminare)
KP des Moduls
6
Prüfungsform
Mündliche Prüfung
Kategorien
Bildungswissenschaften und Pädagogik
Forschendes Lernen
Lehrkräftebildung
Seminar
Stud.IP
Wie können angehende Lehrkräfte lernen, Unterricht nicht nur anzuwenden, sondern ihn forschend zu hinterfragen und weiterzuentwickeln? Diese Frage gewinnt im Kontext einer zunehmend evidenzorientierten Lehrkräftebildung an Bedeutung. Insbesondere im Sachunterricht, der durch seine vielperspektivische Ausrichtung geprägt ist, erfordert die Gestaltung von Lernprozessen eine bewusste Auswahl und Reflexion geeigneter Methoden sowie deren didaktische Umsetzung in tragfähige Materialien.
Das hier vorgestellte Seminar greift diese Herausforderung auf, indem es Forschendes Lernen als zentrales didaktisches Prinzip in der Hochschullehre verankert. Studierende werden dazu befähigt, eigene Fragestellungen zu entwickeln, empirisch zu arbeiten und auf dieser Grundlage Unterrichtsmaterialien zu konzipieren und zu reflektieren. Auf diese Weise entsteht ein Lernarrangement, das wissenschaftliches Arbeiten, fachliche Auseinandersetzung und kreative Gestaltung miteinander verbindet.
Der folgende Beitrag stellt das Seminar als Beispiel gelungener Praxis vor und zeigt, wie Forschendes Lernen im Sachunterricht konkret umgesetzt werden kann. Dabei wird deutlich, welches Potenzial in der Verbindung von Theorie, Forschung und Praxis für die Professionalisierung angehender Lehrkräfte liegt.
Einordnung und Zielsetzung
Im Sommersemester 2025 wurde an der Universität Oldenburg im Basismodul isb042 das Seminar „Ausgewählte Methoden im Sachunterricht“ durchgeführt. Ziel war es, zentrale Unterrichtsmethoden und -konzeptionen nicht nur theoretisch zu erschließen, sondern diese im Sinne des Forschenden Lernens praktisch umzusetzen und kritisch zu reflektieren.
Ausgangspunkt bildete die zentrale bildungswissenschaftliche Frage, wie Unterrichtsmethoden im Sachunterricht so geplant und gestaltet werden können, dass sie nachhaltige Lernprozesse ermöglichen. Vor dem Hintergrund der vielperspektivischen Ausrichtung des Fachs wurde untersucht, welche Potenziale handlungsorientierte, problemlösende und experimentelle Ansätze für die Grundschule bieten und wie entsprechende Materialien diese gezielt unterstützen können.
Das Seminar zielte darauf ab, die Verknüpfung von Theorie, empirischer Forschung und materialgestützter Unterrichtspraxis systematisch zu fördern. Die Studierenden wurden dazu befähigt, Unterricht evidenzbasiert zu denken, eigene Fragestellungen zu entwickeln und didaktische Entscheidungen reflektiert zu begründen.
Didaktisches Konzept und Seminarstruktur
Das Seminar war als forschungsorientierter Lernprozess angelegt, der den Studierenden bewusst große Gestaltungsspielräume eröffnete. Forschendes Lernen wurde dabei nicht nur als Methode thematisiert, sondern als strukturierendes Prinzip des gesamten Seminars umgesetzt.
Der Seminarverlauf führte von einer Einführung in zentrale Unterrichtskonzeptionen über die eigenständige Entwicklung von Forschungsfragen hin zur Durchführung empirischer Untersuchungen und der darauf aufbauenden Gestaltung konkreter Unterrichtsmaterialien. Den Abschluss bildeten Präsentation, Peer-Feedback und eine reflektierende Auseinandersetzung mit den Ergebnissen.
Als inhaltlicher Rahmen diente der Themenbereich „Entdeckerfahrten in der Frühen Neuzeit“, der der historischen Perspektive des Sachunterrichts zugeordnet ist. Dieses Thema erwies sich als besonders geeignet, da es sowohl fachliche Vertiefung als auch kreative und multiperspektivische Zugänge ermöglicht.
Inhalte, Forschungsprozesse und Materialentwicklung
Im Zentrum des Seminars stand die Frage, wie Lernmaterialien gestaltet werden können, um spezifische methodische Zugänge gezielt zu unterstützen, und wie sich bestehende Materialien im Hinblick auf ihre didaktische Qualität weiterentwickeln lassen.
Die Studierenden entwickelten hierzu eigene Forschungsfragen, die sowohl die Perspektive der Lernenden als auch die didaktische Gestaltung von Unterricht einbezogen. Untersucht wurde beispielsweise, wie Kinder historische Inhalte eigenständig erschließen können, wie komplexe Themen kindgerecht und multiperspektivisch aufbereitet werden oder welche Impulse problemlösendes Denken fördern. Weitere Fragestellungen richteten sich auf den Einfluss auditiver Elemente, spielerischer Zugänge oder unterschiedlicher Strukturierungsgrade von Materialien auf Lernprozesse.
Die empirische Arbeit erfolgte unter anderem durch Interviews mit Lehrkräften sowie die Analyse bestehender Unterrichtsmaterialien. Auf dieser Grundlage entwickelten die Studierenden vielfältige didaktische Materialien, die sowohl fachlich fundiert als auch methodisch reflektiert gestaltet waren.

Die entstandenen Produkte zeigen eine große Bandbreite und Innovationskraft: Neben interaktiven Lernkarten für digitale Lesestifte mit selbst eingesprochenen Audioinhalten entstanden unter anderem strategische Brettspiele, strukturierte Forschertagebücher sowie Materialien für szenische Lernformen. Die Offenheit des Formats ermöglichte kreative Lösungen, die über klassische Unterrichtsmaterialien hinausgehen.

Lernprozesse und Kompetenzerwerb
Durch die aktive Teilnahme am gesamten Forschungsprozess entwickelten die Studierenden zentrale professionelle Kompetenzen. Dazu zählen insbesondere die Fähigkeit zur Analyse und Reflexion von Unterrichtsmethoden, die Entwicklung eigener Forschungsfragen, die Durchführung und Auswertung empirischer Untersuchungen sowie die konzeptionelle Gestaltung didaktischer Materialien.
Gleichzeitig wurde die Verknüpfung von theoretischem Wissen und praktischer Umsetzung gestärkt. Die Studierenden entwickelten eine wissenschaftlich-reflexive Haltung gegenüber Unterricht und Lernen, die für ihre zukünftige Tätigkeit als Lehrkräfte von zentraler Bedeutung ist.
Prüfung und Bewertung
Die Erarbeitung im Seminar besteht in der Entwicklung, Dokumentation und Präsentation eines eigenen Forschungsprojekts inklusive der daraus hervorgehenden Unterrichtsmaterialien als Produkt. Im Rahmen einer mündlichen Prüfung stellen die Studierenden die entwickelten Materialien vor und berichten und reflektieren über den begleitenden Forschungsprozess. Die entwickelten Materialien werden dabei als Tischvorlage genutzt.
Erfahrungen und Fazit
Das Seminar hat sich als gelungenes Beispiel für die Umsetzung Forschenden Lernens in der Hochschullehre erwiesen. Die Studierenden durchliefen eigenständig alle Phasen eines Forschungsprozesses und entwickelten dabei kreative und praxisnahe Unterrichtsmaterialien.
Besonders wirksam war die offene Gestaltung des Seminars, die es ermöglichte, eigene Interessen einzubringen und individuelle Schwerpunkte zu setzen. Dies führte zu hoher Motivation, intensiver Auseinandersetzung mit den Inhalten und einer starken Identifikation mit den Projekten. Forschendes Lernen wurde auf diese Weise nicht nur vermittelt, sondern als sinnstiftender und produktiver Prozess erfahrbar.
Die enge Verzahnung von Theorie, empirischer Forschung und Materialentwicklung erwies sich als zentraler Erfolgsfaktor. Sie trug dazu bei, dass die Studierenden sowohl wissenschaftliche als auch praxisbezogene Kompetenzen nachhaltig entwickeln konnten.
Insgesamt zeigt das Seminar exemplarisch, wie Lehr-Lern-Formate gestaltet werden können, die Forschendes Lernen wirksam integrieren und zugleich kreative sowie reflektierte Unterrichtsentwicklung fördern. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung angehender Lehrkräfte und bietet zugleich ein übertragbares Modell für die Hochschullehre.